Die Bedeutung der Einheit von Mensch, Werk und Spiritualität und ihr Verständnis
in unserer gegenwärtigen Kultur


Heute alles feinsäuberlich differenziert und getrennt zu sehen mag durchaus ein Stolz unserer so fortgeschrittenen Kultur sein - oder nicht doch auch ein Leiden? Wir sind stolz auf die Wissenschaft, die sich emanzipiert erlebt von aller Religion, wie diese auch wiederum von der Medizin und diese wiederum von aller Kunst. Unglaublich wie sich dabei die verschiedensten Fachbereiche immer weiter untergliedern in immer neue Spezialgebiete. Vieles mag wichtig und notwendig sein, Vieles aber auch Ausdruck und Zeugnis davon, wie sehr wir den Blick auf die Zusammengehörigkeit der Dinge verloren haben.

Die Einheit ist doch eigentlich recht störend. Den Menschen als eine Einheit von Körper, Seele und Geist zu bezeichnen, wie dies ja heute mehr wellnessartig verkündet wird, ist doch eigentlich reine Blasphemie. Auf dem vierten vatikanischen Konzil in Konstantinopel 869 hatte die Kirche schließlich den lästigen Geist endlich abschafft, beziehungsweise diesen einzig und allein Gott zugeschrieben, der schließlich fernab im Himmel wohnet. Der Mensch sei nicht mehr als ein im besten Falle beseelter Erdenwurm, von der Erbsünde geplagt und aus sich selbst zu keiner Erkenntnis fähig. Allein durch die Kirche und den Glauben an unseren Herrn sei Erlösung nach dem Tode möglich.

Tatsächlich wird der Mensch heute weder wissenschaftlich noch kirchlich als ein spirituelles Wesen gesehen. Entweder aus kirchlicher Sicht, wie beschrieben als armer Sünder der allein auf Gnade und Vergebung hoffen kann oder wissenschaftlich als ein vielleicht besser entwickeltes Tier, dessen Eigenschaften wir dank des heutigen Standes der Wissenschaft immer besser durchschauen und erklären können. Dieses Menschenbild spiegelt den alles durchdringenden Materialismus an dem unsere Kultur doch so sehr krankt.

Leider hat die Kirche an dieser Entwicklung großen Anteil, weil sie den Menschen bewusst in der Unmündigkeit gehalten hat und weiterhin hält. Er soll in der moralischen Doktrin einer übernommenen Vorstellung über gut und schlecht, über richtig und falsch, über Himmel und Hölle ein angepasstes Leben führen aber er darf um Himmels willen nicht zu einer eigenständigen Erkenntnis kommen. Der Mensch ist aber ein schöpferisches Wesen das nach Entwicklung und Entfaltung des wartenden seelischen Potentials von innen heraus drängt. Das Selbstbewusstsein des Menschen definiert sich heute vielfach nur noch aus materiellen Maßstäben und Wertigkeiten heraus. Welche Leistung erbracht wird, wieviel ich besitze, wie mein Ansehen und gesellschaftlicher Status sind und natürlich, wie ich mir durch die Möglichkeiten die das materielle Leben bietet möglichst viel Sicherheit und Zufriedenheit erringen kann.

Genau deswegen agiert auch eine Kirche oder auch - dies vielleicht im minderen Maße - eine Wissenschaft so sehr gegen Persönlichkeiten wie Heinz Grill, weil gerade dadurch das bestehende Menschenbild durchaus konsequent in Frage gestellt wird. Gerade aber das ist sicher für unsere gegenwärtige wirtschaftlich-materiell orientierte Gesellschaft ein bedrohlicher Gedanke: Im Mittelpunkt muss tatsächlich wieder der Mensch stehen. Und zwar der Mensch als ein schöpferisches und seelisch-geistiges Wesen, als ein individuelles als auch universales Wesen, das um eine Wahrheit ringt und Einsichten tatsächlich auch erringen kann, wenn es lernt seine Erkenntniskräfte durch mutige Hinwendung und Auseinandersetzung schrittweise heranzubilden und damit die irdischen Lebensbedingungen mit einer konkreten und tieferen Sinngestaltung durchdringt, die nicht mehr nur Glauben, sondern Wissen bedeutet. Es gibt ihn, den Kosmos und die geistigen Welten. Ja, es gibt die Welt der Verstorbenen und die tiefe Verbindung und Beziehung die zwischen den Lebenden und den sogenannten Toten besteht. Ja, es gibt die Erwartungshoffnung der geistigen Welt gegenüber dem Menschen nach schöpferischer Entwicklung und Herauslösung übernommener Konventionen zu einer größeren und eigenständig errungen Bewusstheit und Freiheit.

Menschen wie Heinz Grill oder Rudolf Steiner werden nun gerade dafür gerne bekrittelt und angegriffen, weil sie eine sehr konkrete aber eben auch spirituelle Sichtweise dem Leben und den daraus resultierenden Entwicklungsmöglichkeiten zugrunde legen. Meine Erfahrung ist jene, dass solche Menschen eine unglaubliche Pionierarbeit leisten, die für eine zukünftige Kultur von eminenter Bedeutung ist. Es gibt die Wahrheit und Existenz des Geistes, wie auch die der Seele und in der Folge auch die Wirklichkeit des Körpers. Sie alle unterliegen einer beschreib- und erforschbaren Logik und Weisheit, auch wenn das die Kirche und die gegenwärtige Wissenschaft noch leugnen mögen. Die Sicht auf Persönlichkeiten wie Rudolf Steiner, Heinz Grill, Sri Aurobindo oder auch weitere große Persönlichkeiten und ihr Werk, lenkt nun gerade jenen wertvollen Blick auf die Existenz und Relevanz einer bestehenden Einheit von Mensch, Werk und Spiritualität in reifer Ausformung, die sich unaufdringlich und doch ausdrucksvoll an unsere Kultur richtet. Die Wahrnehmung und Anerkennung von Menschen in denen diese authentische Einheit von Mensch, Werk und Spiritualität zutiefst realisiert lebt, kann zu einer inspirierenden Kraft für die eigene wie auch kulturelle Entwicklung werden. Niemals ging es solchen Menschen um persönliche Anerkennung oder um eine besondere Stellung in der Gesellschaft aber doch um die Ausgestaltung ihrer Impulse auf fruchtbringende Art hinein in das jeweilige kulturelle Leben der Zeit. Das was der Mensch in Freiheit und Verantwortung, wie auch in der Synthese von Geist und Welt werden kann, schenkt hoffnungsvolle und konkrete Antworten darauf, wie der Materialismus überwunden bzw. schrittweise verwandelt werden kann.